Open Source Hardware für Designer – eine Einführung

Zweiter Teil der Einführungsveranstaltung des Atelierprojektes „Openness Makes The World Go Round“ an der Hochschule der bildenden Künste Saarbrücken (HBKsaar) von Gastprof. Lars Zimmermann, 9. April 2019, Folgeveranstaltungen hier.

Web-URL: opencircularity.info/hbksaar-2

 

1. Preambel: Designer Ideal

Emailaustausch Ende März 2019

LARS Z.: „Hi Sam, ich hatte heute ein Gespräch mit einem Designer. Er hatte ziemliche Schwierigkeiten mit Openness. „Wo bleibe ich da?“ Er hat mich darauf hingewiesen, dass viele Designer*innen ja immer noch der Idee der genialen Einzelperson anhängen, die der Star ist! Die etwas geniales, ästhetisch für sich allein stehendes, schafft, was für alle Ewigkeit unverändert blitzt und leuchtet.

Unsere Design-Heldenfiguren sind aber anders. Es sind Leute wie Jimmy Wales, also Gestalter kollaborativer, lebender, sich transformierender Settings, aus denen durch die Zusammenarbeit Vieler Schönes hervorgeht. Das ist aber ein ganz anderes Bild als der geniale Stardesigner. Dieses Bild muss ich den Studierenden vermitteln, sonst wird der ganze Kurs nix. Hast Du noch ein paar Ideen, wie ich das machen kann? Außer Jimmy Wales fällt mir nämlich gerade im Moment nicht viel mehr ein.“

SAM MUIRHEAD: „Hi Lars … Denk nicht nur an richtige Open Source-Projekte! Denk auch an Lego und Minecraft (unter anderem) – sie entwickeln einfache Systeme, die für Millionen unerwartete Zwecke genutzt werden. Oder an Architekturprojekte wie Half-a House oder das Wohnregal. Es geht darum, eine Struktur zu entwerfen, die Möglichkeiten öffnet, und die Kreativität und das Schaffen anderer Menschen begeistert.“

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Ein paar Links zum beeindruckenden Lego-Ökosystem Ökosystem rings um Klemmbausteine 😉

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Ja. Es geht um das, was andere Menschen hinterher noch aktiv machen können. Anderen Menschen gute Weiterarbeit zu ermöglichen, darum geht es. Und wenn alles gut geht, entsteht die Schönheit (oder Nachhaltigkeit) daraus.

Noch eine Metapher dafür, die zumindest für mich gut funktioniert, sind zelluläre Automaten. Hier der wahrscheinlich berühmteste zelluläre Automat „Game Of Life“:

Einführung:

Ein paar Muster:

Und noch mehr Muster:

Auch schön dazu: Planet Wator

Fazit: Die Produkte, die wir uns ausdenken wollen, sollen anderen Leuten ermöglichen, sie zu reparieren, reusen, refurbishen oder zu recyceln oder einfach kreativ ihre Zeit mit anderem auszufüllen als mit Ressourcen- und Energie-intensiven Tätigkeiten. Unsere „Game-Of-Life-Regeln“ sind diese „Möglichkeiten für Handlungen“. Wie können wir das schaffen und dabei eine ebenso bunte, reiche und schöne Welt erschaffen durch das Design der Produkte und die sie umgebende Kommunikation, wie sie z.B. rings um Klemmbausteine entstanden ist?

 

2. Was ist Open Source Hardware?

Open Source kommt aus der Welt von Software. Und Open Source Software has eaten the world. (Tech Crunch Article)

Wir wollen uns aber mit Open Source Hardware befassen. Dafür nutzen wir einen Vortrag, den ich neulich hielt und kommen danach hierher zurück:

Was ist Open Source Hardware? 

Ergänzung 1: Open Structures

Falls ich es nicht schon drüben gemacht habe, möchte ich noch unbedingt auf dieses Projekt eingehen: Open Structures.

Das Projekt existiert schon seit über 10 Jahren! Warum hat es nicht mehr Impact gehabt? Dahinter steht kein Entrepreneur. Würde man diese Sachen auch kaufen können, wäre sehr viel mehr möglich gewesen. Ein Ökosystem hätte entstehen können, was so nur theoretisch da ist. Wir kommen dazu unten nochmal bei „Business Models.“

Ergänzung 2: Wir organisiere ich mir Open Source Hardware

Ein Aspekt, der in der anderen Darstellung nicht deutlich genug herauskommt: Viele stellen sich vor, Open Hardware bedeutet, dass man hinterher schöne, aufwändige Tutorials herstellt. Noch einmal eine große Extraladung Arbeit hinterher. Aber das ist nur die Ausnahme und sicherlich nicht der befriedigendste Weg oder ökonomisch sinnvollste Weg.

Open Source passiert grob auf drei verschiedene Weisen:

1. „DIY“-Tutorials
2. Foren
3. Offene Workflows (Erklärung) 
(4. Einfachheit! Selbsterklärendes Design braucht keine Erklärung.)

Offene Workflows spielen dabei die größte Rolle. Das ist eine Herausforderung ans Projekt-Design: Dinge so gestalten, dass die Dokumentation keine Extraarbeit ist, sondern on the fly passiert.

Ergänzung 3: Open Design ≠ Open Source Hardware

Open Design und Open Source Hardware ist nicht das gleiche. „Open“ ist ein offener Begriff. Man kann ihn für sehr vieles verwenden. Es gibt übrigens auch den Begriff „Openwashing“.

Der wichtigste Unterschied für mich zwischen Open Design und Open Source Hardware ist, dass bei Open Source Hardware zwingend die kommerzielle Nutzung erlaubt sein muss. Bei Open Design ist das nicht der Fall. Da finden sich auch andere Formen und Nutzungs-Lizenzen, die Non-Commercial-Klauseln enthalten. Der Open Design-Diskurs wurde von Ronen Kadushin in die Welt gebracht und von anderen weitergeführt, ist aber meiner Meinung nach nicht so weit, wie der von Open Source Hardware. Die Definition von Open Design steckt immer noch in Version 0.5 (ist aber dennoch lesenswert). Open Source Hardware macht sich bereits auf den Weg zur DIN-Norm.

Der Open Design-Diskurs war im deutschsprachigen Raum vor allem in Österreich wichtig. In Deutschland spielte er kaum eine Rolle. Aber auch in Österreich scheint er etwas eingeschlafen im Moment.

 

3. Wie macht man damit Geld? Business Models für Open Source Hardware

Es kommt zu Open Hardware oder Open Source generell gern die Frage: „Wie soll man denn damit Geld verdienen?“ Wir werden uns damit hier beschäftigen, aber nicht so sehr wegen der Frage des Geldverdienens, sondern vor allem, weil wir dabei etwas über Ökosysteme lernen.

Ich arbeite seit Jahren am Thema Open Source Hardware und die Frage nach den Business Models kam immer wieder, weshalb ich dann dazu gearbeitet habe und z.B. das Business Model Kapitel im Buch Building Open Source Hardware geschrieben haben, auf das ich auch immer noch angesprochen werde bzw. auf dessen Core-Grafik:

Source

Aber damit wollen wir nicht arbeiten heute. Wir nutzen ein anderes Tool von mir, welches ich 2016 erstellt habe und für das es ein ausführliches MOOC gibt mit vielen VIDEOS. Das Tool wurde vom Danish Design Center im ReModel-Programm aufgegriffen und deshalb gibt es auch davon jetzt eine grafisch gut aufbereitete Version:

Download als PDF, CC-BY-SA

Wir gehen das mal an einem Beispiel durch. Arduino – der wahrscheinlich größten Open Hardware-Plattform der Welt und euch sicherlich bekannt.

Openness Discussion am Beispiel von Arduino PDF

Als vollaufgebautes Bild: 

Und hier ist das ganze nochmal für ein einfacheres Beispiel:

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Update: Ein gutes Tool zur Ergänzung des Canvas oben bzw. der Openness Discussion ist die User Journey aus dem Remodel-Toolkit des Danish Design Centers. DIREKT-Link zum PDF hier. 

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FAZIT: Was nehmen wir daraus mit? Ein gutes Open Hardware-Projekt gestaltet ein Ökosystem. Es funktioniert wie eine Plattform, auf der sich verschiedenste Akteur*innen begegnen und produktiv werden. Es öffnet Handlungsräume und Geschäftsmöglichkeiten. Es entstehen Synergien zwischen den verschiedenen Akteur*innen und ermöglichen allen, Dinge zu tun, die sonst nicht oder nicht so einfach möglich wären.

Und all das bringt uns wieder zurück auf unser Designer-Ideal:

 

4. Designer Ideal

siehe oben bei 1 ⇪