Open Source Kreislaufwirtschaft

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Hallo,

ich bin Lars Zimmermann – Designer, Künstler und Aktivist aus Berlin. Ich führe im Moment ein Design Studio für Open Circular Design & Nachhaligkeits-Aktivismus namens Mifactori und ich arbeite immer mal in der Bildung z.B. als Gastprofessor für Design.

Ich bin gebeten worden, hier einen Vortrag zu “Open Source Kreislaufwirtschaft” zu halten. Ich fange bei „Open Source“ an, gehe dann zur „Kreislaufwirtschaft“, danach zur theoretischen Verbindung von beidem und schließlich zu praktischen Beispielen dafür. Nach hinten raus wird’s bunt und praktisch. Bleiben sie dran.

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Los geht’s.

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1. Open Source-Software


Frage: Wer von ihnen hat schon ein vages Bild davon, was Open Source ist?

Ein guter Startpunkt, um die Geschichte von Open Source zu erzählen, ist dieser Mann: Richard Stallmann in Insiderkreisen gerne als RMS abgekürzt (heute, früher).

RMS arbeitete als junger Mann am MIT Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre und erzählt aus dieser Zeit gern die Printer-Geschichte. Sie hatten in ihrem Labor einen Xerox-Drucker, der immer gern kaputt ging. RMS hatte die technischen Fähigkeiten zur Reparatur bzw. für notwendige Anpassungen. Aber der Source Code war geschlossen und machte das unmöglich – RMS wurde zum „Gefangenen“ der Software. Die Geschichte von Open Source-Software beginnt also mit einer Reparatur-Geschichte, wenn man so will.
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1985 gründet er die Free Software Foundation – eine Stiftung für freie Software. Freie Software heißt dabei nicht kostenlose Software, sondern das „frei“ wurzelt im Wort „Freiheit“. (Not free as in free beer but in freedom.)

Und freie Software räumt Freiheiten ein! Man darf sie studieren, kopieren, nutzen, verändern und weiterverbreiten. Und all das darf man auch kommerziell tun. Selbstverständlich braucht man dafür den Source Code.

RMS entwickelt selbst freie Software und viele andere beginnen damit ebenfalls. Dabei ist eine Sache wichtig: die Lizenz! Die GNU General Public License. Software unterliegt dem Urheberrecht, welches man automatisch erhält. Deshalb ist Software immer „unfrei“ bzw. „geschlossen“ geboren (born closed). Als Urheberrechtsinhaber*in muss ich aktiv werden, um dieses Urheberrecht „loszuwerden“ und anderen rechtlich die Möglichkeit zu geben, meine Software frei zu nutzen. Die GNU Public License ist nun ein Lizenzvertrag mit der Öffentlichkeit bzw. mit jedem Menschen auf der Welt. Sie räumt die oben genannten Freiheiten ein und stellt dabei aber auch Bedingungen. Eine davon ist besonders – die Copyleft-Bedingung.
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Copyleft Logo

Sie besagt, dass alle meine Software verwenden dürfen – sie dürfen sie z.B. als Baustein in ihre eigenen Softwareprojekte einbauen – aber nur, wenn sie die daraus resultierende Software unter die selbe offene Copyleft-Lizenz stellen – zu freier Software machen! Ein brillanter Hack. Das Urheberrecht wird gegen sich selbst gewendet. Ein Freiheits-„Virus“, der Stück für Stück mehr Software „infiziert“.

Copyleft wird von vielen als wichtiger Treiber für die Verbreitung freier Software gesehen – heute haben wir damit mehr und mehr Probleme, aber ich steige jetzt nicht in Lizenzprobleme ein.

Freie Software wird ein grosser Erfolg. Die Vorteile dieses offenen Entwicklungsmodells treten schnell hervor. Man kann in grossen dezentralen Verbünden Software oft schneller und günstiger entwickeln und die Software ist dabei von höherer Qualität. “Given enough eyeballs all bugs are shallow.”

Das wohl erfolgreichste Softwareprojekt, welches so entwickelt wird und das sie alle schonmal benutzt haben und wahrscheinlich schon heute genutzt haben, ist Linux – der Linux-Kernel. → erklären

Frage: Wie funktioniert die Entwicklung? Was glauben Sie? Wer zahlt dafür? Arbeiten die alle umsonst? Was ist ein Fork? 

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Der ökonomische und technologische Vorteil freier Software liegt Ende der 90er Jahr offen da. Aber es gibt etwas, dass ihn für manche noch aufhält. Es ist die politische Agenda dahinter – „das Gerede über Freiheit“ – und ein Beharren auf der Copyleft-Klausel. Also tun sich 1998 ein paar Akteure zusammen und erschaffen ein neues Wort – „Open Source“ und gründen dafür die „Open Source Initiative“. Hier mal → in den Worten der Wikipedia. 

Und Open Source-Software wird ein gigantischer Erfolg. Heute finden sie überall Open Source-Software. „Open Source ate the world“. Wenn sie heute einen Mercedes kaufen, sind da Millionen von Code-Zeilen Open Source-Software drin. Wenn Sie ihr Netz anschalten und eine Seite im Internet aufrufen, ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit an vielen Stellen Open Source-Software beteiligt.

OSS macht die Welt der Softwareentwicklung schnell und innovativ und Software flexibel und anpassbar – hält sie einsatzfähig. Wenn sie von einer kleinen Softwarefirma Spezialsoftware kaufen, verlangen sie nach Open Source!

Und Open Source Software schafft Vertrauen. Unsere Corona-App ist Open Source. Warum?

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2. Open Source-Hardware


Schnell kommen Menschen auf die Idee, dieses Prinzip auch auf die Entwicklung von Hardware anzuwenden – für physische Objekte also.
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Schauen wir zum Einstieg auf die Definition von Open Source-Hardware, die eine Ableitung der Definition von Open Source-Software ist.

Wie sehen die Ergebnisse aus, wenn man das praktisch umsetzt? Web-Bildersuche nach:

Und hier ist eine schöne Liste von Open Hardware-Projekten, die nach Offenheit bewertet sind.

Aber Open Source-Hardware stößt schnell an Grenzen. Es gibt einfach starke Unterschiede zwischen Open Source-Software und Open Source-Hardware. Welche sind es, was denken sie? 

(Anmarkieren zum Sichtbarmachen)

Bauteile finden, kaufen, bezahlen, transportieren, lagern.

Bauteile zusammenbauen mit Zeit, Werkzeug, Platz, Energie und Fähigkeiten.

Lizenzierung: Die Lizenzsituation rings um Hardware ist fundamental anders als die rings um Software. Die Lösungen von Open Source-Software sind nicht übertragbar. Infos dazu → hier. 

Dokumentation: Die Dokumentation von Hardware ist vielschichtiger und umfangreicher und Zeit-intensiver – sie ist anders gelagert. 

So funktioniert Software – Herunterladen und direkt nutzen, die Maschine ist schon gebaut. Hardware funktioniert so nicht. Den Übersetzungsschritt in Atome muss man noch machen.

Open Hardware sollte versuchen, so einfach wie möglich überall baubar zu sein. Aus diesem Grund sind digitale Fabrikationstechniken wie 3D-Druck, Laser-Cutting und CNC-Fräsen so wichtig bei Open Hardware, wo man eine Datei herunterlädt, die Maschine neben dem Schreibtisch anwirft und dann nur warten muss. Aber man kann nicht alles mit diesen Werkzeugen produzieren. Darum hat die Open Source-Hardware-Definition auch diese Passage:

Hier wird über das Design selbst gesprochen und eine Antwort auf die Frage gegeben, wie man Hardware so designen kann, dass sie an vielen Orten mit möglichst geringem Aufwand kopiert werden kann. So soll die dezentrale Zusammenarbeit an der Entwicklung und Nutzung von Open Hardware unterstützt werden.

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Fazit zu Open Source: Open Source will andere produktive Praktiken des Umgangs mit Produkten ermöglichen als einfach nur deren Kauf und Konsum. Prinzipiell alle können offene Produkte egal ob Software oder Hardware affirmativ oder kreativ weiter be- und verarbeiten. Open Source ist ein Handlungsermöglicher und fördert dezentrale Zusammenarbeit.

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3. Kreislaufwirtschaft


Frage: Wer von ihnen könnte Kreislaufwirtschaft beschreiben?

Kreislaufwirtschaft ist eine Idee, die es schon länger gibt als die Idee freier Software. Sie tritt unter verschiedenen Namen auf z.B. als Kreislaufwirtschaft, Blue Economy, Cradle to Cradle, Zero Waste, Industrial Symbiosis und anderen. Auf europäischer und globaler politischer Ebene hat sich der Begriff  „Circular Economy“ momentan dafür durchgesetzt. All diese Strömungen setzen unterschiedliche Schwerpunkte, teilen im Kern aber die selbe Idee von Kreisläufen.

Es geht darum Müll zu reduzieren und damit den Druck auf die Umwelt zu verringern. 40% des CO2 Fußabdrucks eines/r Deutschen (Mirror) stammt von Konsumgütern. Also die Gründe sind nicht Nahrung, Heizung, persönlicher Stromverbrauch, Mobilität oder Wohnen, sondern Spielzeug, Kleidung, Möbel, Bücher, elektronische Geräte usw. Wieso ist das so? 

Kreislaufwirtschaft ist ein Weg, die Atome möglichst lange in Gebrauch (im Kreis) zu halten, um beispielsweise weniger Ressourcen neu gewinnen zu müssen und weniger neue Produkte zu produzieren, was beides unter anderem sehr viel Energie und Umwelt verbraucht.

Das geht mit verschiedenen Strategien. Wir gucken uns mal ein paar an, die direkt über die Produkt-Ebene sprechen. Es geht um Produkte mit denen diese Dinge leicht möglich sind:

→ repair

→ reuse

→ refurbishment

→ recycling

→ surviving climate change


Hier ist ein Grafik, die in den letzten Jahren populär war, wo diese Kreisläufe mal dargestellt sind: Diagram | Diagramm Mirror 

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Fazit: Bei der Kreislaufwirtschaft geht es darum, neue und andere produktive Praktiken im Umgang mit Produkten zu ermöglichen als einfach nur deren Produktion, Verkauf und Konsum; – mehr und andere Handlungen von Reparatur bis Recycling ausgeführt von mehr Menschen.

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… hey, das war doch genau das, was Open Source auch wollte ↑ – andere produktive Praktiken im Umgang mit Produkten ermöglichen …

(Closed Source möchte anderen vor allem jedwede produktive Handlung verbieten – Closed Source ist damit der natürliche Gegner der Kreislaufwirtschaft?)

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5. Open Source-Kreislaufwirtschaft?


Wiederholung von oben:

„Open Source will andere produktive Praktiken des Umgangs mit Produkten ermöglichen als einfach nur deren Kauf und Konsum…“

„Bei der Kreislaufwirtschaft geht es darum, neue und andere Praktiken im Umgang mit Produkten zu ermöglichen als einfach nur deren Produktion, Verkauf und Konsum…“

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Ja! Auf dieser abstrakten Metaebene – also wenn man von ganz weit oben bzw. ganz weit weg guckt – macht diese Kombination sehr viel Sinn.
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Zoomstufe 1

Die Freiheiten von Open Source (studieren, kopieren, modifizieren, verbreiten) sollten die Handlungen einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft (reparieren, wiedernutzen, umnutzen, aufbereiten, recyclen usw.) gut unterstützen oder ermöglichen.

In der Kreislaufwirtschaftsdebatte redet man sehr gern über Transparenz als Grundvoraussetzung dafür und Open Source ist auf Transparenz gebaut.

Das perfekte Paar also!?
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Aber ich bin Designer und Künstler, ich mag „abgehobene“ Theorie, aber bin an der Wirklichkeit noch mehr interessiert. Darum lassen sie uns diese Annahme mal testen und uns dafür Stück für Stück reinzoomen bis hinunter auf die praktische Ebene.
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Zoomstufe 2

Unsere zweite Zoomstufe sind nochmal fiktionale Geschichten über einen Motorroller – einen angenommenen Open-Source-Motorroller. Der ist theoretisch leicht zu:

repair ?

Frei zugängliche Konstruktionspläne sollten die Reparatur vereinfachen. Wenn die notwendigen Teile und verwendeten technischen Lösungen und Tools zudem offenen Standards folgen und leicht verständlich sind, dürfte der Reparatur kaum etwas im Weg stehen.

reuse ?

Wenn ich in den Designdateien oder der Konstruktion selbst sehen kann, wie die Teile heißen und wie sie platziert werden und mit anderen Teilen zusammenarbeiten, sollte einfacher sein, die Teile in anderen Designs wiederzuverwenden.

refurbishment ?

Wenn das Design offen ist, ist es einfacher, fehlende und defekte Teile zu bestellen oder herzustellen und dann zu ersetzen.

recycling ?

Wenn ich in den Designdateien sehen kann, welche Materialien in welchen Mischungen verwendet werden und wie sie zusammengesetzt wurden und schnell getrennt werden koennen,  wird das Recycling einfacher.

surviving climate change ?

Welche Stadt ist smarter? Die „smart city“ mit technisch extrem ausgefeilten und hoch-vernetzten Straßenlaternen? Oder die Stadt mit offen dokumentierten, zugänglichen, leicht verständlichen Straßenlaternen gebaut aus Standardteilen? Wenn ein → Sturm auf die Infrastruktur der Stadt trifft – welche Lampen sind vor Ort leichter zu reparieren? Wenn sich die → Küstenlinie verschiebt – welche Lampen lassen sich leichter demontieren, abtransportieren und in einer anderen Region neu aufstellen? Klimawandel heißt vor allem Anpassung und Flexibilität, dauernder Umbau. Offenheit hilft uns dabei – denken sie an die Druckergeschichte von oben ↑ wo Geschlossenheit die Anpassung des Druckers an die Situation verhindert hat.

FAZIT ?

Ich würde sagen, die Idee hat den ersten Test auf Zoomstufe 2 erfolgreich überstanden und ist vielleicht sogar noch etwas stärker geworden.

Wenn man den Geschichten genau zugehört hat, kamen dabei noch ein paar Zusatzdinge zum Vorschein. Auch nachhaltige Produkte bzw. Kreislaufprodukte müssen anders gestaltet sein, um Kreislaufpraktiken zu ermöglichen. Auch sie müssen leicht zugänglich sein und aus möglichst vielseitig einsetzbaren Standardteilen zusammengesetzt. Dann kann es möglichst überall auf der Welt auch tatsächlich zu einem nachhaltigen Umgang damit kommen.

Kreislaufprodukte teilen sich damit ein Designideal mit Open Hardware, wie wir es von oben schon kennen:

Open Hardware kann etwas von Kreislaufdesign lernen (z.B. für das Sourcing von Teilen und Material) und Kreislaufdesign kann etwas von Open Hardware lernen (z.B. frei verfügbare Dokumentation).

Also Zoomstufe 1 bringt die beiden Welten von Open Source und Kreislaufwirtschaft sogar noch näher zusammen. Aber es ist immer noch ziemlich abstrakt und theoretisch. Zoomen wir noch eine Stufe weiter:

 

Zoomstufe 3

Ich bin Mitgründer und war lange Teil eines globalen Projekts namens „Open Source Circular Economy Days“. Von 2015 bis 2018 haben wir  Designer, Maker, Ingenieure, Berater und andere eingeladen, global vernetzt mit der Entwicklung von zirkulären Open-Source-Lösungen zu beginnen. Das Projekt war anfangs sehr aufregend und erfolgreich. Gruppen in mehr als 100 Städten auf der ganzen Welt haben lokale Events durchgeführt (→ 2015→ 2016). Bei einer Ausgabe in Berlin hatten wir über 700 Teilnehmende, die großteils praktische Projekte umgesetzt haben – es wurden auf dem Event richtige Maschinen gebaut. Doch dann geriet das Projekt ins Stocken und ist eingebrochen.

Einen der Gründe dafür haben wir mit einem Fragebogen rausbekommen: Viele Nachhaltigkeitsakteure, die sich für das Projekt interessierten, wurden durch das Wort „Open Source“ abgeschreckt. Es klang für sie wie etwas sehr Komplexes und Technisches – etwas, das für eine exklusive „In-Group-Elite“ von Tech-Wizards gemacht wurde, zu der sie sich nicht zugehörig fühlten. Sie konnten keine Beziehung dazu herstellen, egal wie sehr wir uns bemüht haben, Open Source verständlich zu vermitteln und sogar zu erklären, wie man damit Business macht.

FAZIT

Was wir auf Zoomstufe 3 also lernen, ist, dass „Open Source“ wohl nicht das beste Wording ist, um Designer*innen und ähnliche Akteure dazu zu bringen, tatsächlich „Open Source-Praktiken“ zu verwenden. Die Unterschiede im Denken digitaler Techkultur und Nachhaltigkeitskultur sind zu groß. Zu viel, was zum Vorschein kommt, wenn man nach „Open Source“ googelt, ist zu weit weg von gaengigen Nachhaltigkeitsmotiven. Die Transferleistung, nach der wir da frag(t)en, ist zu groß. „Open Source“ eignet sich momentan nicht als Brücke.

Aber das zeigt nur, dass das vermittlungstechnisch – sozusagen „sozial“nicht funktioniert. Die darunter liegende Ebene, dass die Gestaltungsweisen der Kreislaufwirtschaft und die Gestaltungsweisen von Open Source einander möglich machen und beflügeln können sollten, die ist noch nicht wiederlegt. Also versuchen wir es einfach mal mit einem Rebranding – mit anderen Worten.

In meiner aktuellen Experimentphase, in der wir in unserem Designstudio Mifactori auch wirklich solche Designs erzeugen, arbeiten wir mit anderen Worten. Wir nennen es jetzt „Open Design“ bzw. „Open Circular Design“. Ob das das bessere Marketing ist, ist nicht raus. Aber damit sind wir schon auf Zoomstufe 4 gelandet.

 

Zoomstufe 4

 

Bei Zoomstufe 4 stehen wir in der Werkstatt, an der Werkbank. Nicht an irgendeiner, sondern an unserer von Mifactori. (Daran denken: Je näher man rangeht, desto subjektiver wird es!)

Und, wie läuft’s?

Beim tatsächlichen Arbeiten an wirklichen Produkten und verwandten Lösungen, fiel schnell auf, dass der Rahmen „Open Source Circular Economy“ nicht wirklich instruktiv und anleitend war für konkrete Produkte. Darum haben wir nach einigen Experimenten einen neuen geschaffen und den dann in diesem Bild → und einem dazugehörigen Artikel „What Is Open Circular Design“ dargelegt. 

Sie sehen im Bild 9 Gestaltungsstrategien für „Open Circular Design“, die alle Open Source-Hardware unterstützen oder direkte Kopien von Open-Source-Gestaltungsstrategien sind und zugleich zirkulär. Und die gehe ich jetzt mit ihnen mal anhand von Beispielen durch.

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Simple → Hier ist ein Möbelstück von uns, Ringbein, welches einfacher wohl kaum sein könnte.

Upcycling Friendly → Ringbein macht es sehr leicht, ausgediente Materialien dafür zu verwenden. Das gleiche gilt auch für ein zweites Design von uns den Schöneberger Hocker.

Standards → Schon bei Ringbein und dem Hocker sind ausschliesslich Standardelemente verwendet. Und so ist das auch bei einem unserer anderen Produkte – unseren Open Source Lampen. Sie verwenden ausschliesslich Schrauben, die sie in jedem Baumarkt bekommen koennen: Lampen 2016Lampen 2018, Lampen 2020. Sogar den Lampenschirm koennen sie aus Standardpapier mit einem Standardwerkzeug nämlich ihrem heimischen Desktop-Drucker herstellen (digital manufacturing at home), wie sie hier im Solutions-Posting sehen können.

Educative → Ich denke, die Produkte, die ich ihnen bisher gezeigt habe, sind so leicht zu verstehen, dass allein ihre Konstruktionsweisen technische Grundkenntnisse für das Produktdesign und Making vermittelt. Aber darüber hinaus versuchen wir auch in der Art, wie wir die Produkte vermitteln bzw. dokumentieren, Wissen zu vermitteln. Dabei ist vor allem das Solutions-Posting zu den Lampen erwähnenswert. Es zeigt einfache Standardlösungen, die alle kreativ selbst einsetzen können, um Open Circular Design-Lampen herzustellen – mit Material, welches sie schon haben. (Und wenn man an Open Circular Design arbeitet, stellt man fest, dass ein solches Produkt weniger ein fertiges Produkt ist als eine Sammlung bzw. Kombination einfacher offener Lösungen. Mehr dazu hier: „What is the final version in Open Circular Design?“)

Recyclable → Egal ob Ringbein, der Schöneberger Steckhocker oder die Hypercircularity Lamps – alle Designs sind aus unterschiedlichen Materialien herstellbar, sie sind keine „einzigartige Kombination von Form und Material“. Das heisst, man kann einfach recyclingfähige Materialien verwenden. Und diese sind den Designs so verbaut, dass sie sehr schnell voneinander getrennt werden können, was eine Grundvoraussetzung für das Recycling ist.

Open Licensed → Natürlich sind alle unsere Designs offen lizenziert bzw. sind keinerlei Schutzrechte in Stellung gebracht, die anderen die Nutzung davon untersagen. Ich erwähnte ja schon kurz oben, dass die Lizenzsituation bei Hardware grundlegend anders und leider sehr viel komplizierter ist als bei Software. Wir wir bei Mifactori das Problem aber lösen, steht hier: „Open Design – die rechtliche Seite“.  | Wer mehr darüber wissen mag, der kann auch auf die im Posting verlinkte Vorlesung zum Thema klicken oder auf diese FAQ, die anhand eines Sonderproblems einiges wichtiges zur Lizenzsituation bei Open Source-Hardware erklärt. (Das scheint ein bisschen nerdig und detailreich jetzt, aber wir sind ja auf einer hohen Zoomstufe.)

Biosphere Support → Die gezeigten Designs unterstützen die Bioshäre nicht direkt, so wie etwa Dachziegel mit eingebauten Vogelhäusern es tun würden. Aber über die Unterstützung der Biosphäre denken wir bei Mifactori z.B. im Rahmen unserer Urban Interventions nach beispielsweise hier im Posting über City Hacks zu Natur in der Stadt. 

Modularity → Natürlich sind alle gezeigten Designs vollständig modular – sogar in dem Sinne, dass man ohne Probleme die Teile für anderes einsetzen kann. Modularität und Open Circular-Design haben auf vielerlei Weise miteinander zu tun – genug Stoff für einen ganzen eigenen Vortrag – ich will aber heute nur einen Aspekt dafür rausgreifen: „Don’t invent a new modular system, try to use (hack into) an existing one.“ | Ein noch unveröffentlichtes Beispiel dafür von uns habe ich ihnen hier mitgebracht die XYZ knots (AT).

Pre-Use → Pre-Use ist „DIY Kreislaufwirtschaft“ und was es genau ist, steht hier im Pre-Use-Artikel.

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FAZIT ?

Wie sieht es auf Zoomstufe 4 aus? Ich würde sagen, es läuft gut. Die Produkte, die wir bisher gemacht haben, sind open und kreislauffähig und gewinnen ihre Kreislaufqualitäten durch ihre Offenheit.

Sie nutzen noch nicht alle Vorteile, die man mit Open Source haben kann, voll aus – beispielsweise gibt es aktuell kein Community Building – und sie sind natürlich sehr unterkomplex, d.h. sie sind wenig technisch anspruchsvoll – sie können von einer Person entwickelt werden. Damit lassen sie keine starken Schlüsse zu über komplexe technische Produkte.

Aber ein Anfang ist gemacht und wir sind damit immerhin „Finalist“ beim beim deutschen Nachhaltigkeitspreis Design. Was eine ziemlich coole Sache ist, denke ich.

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Ende


OK. Ich hoffe, es war nicht zu viel. Ich freue mich über Fragen, wenn ihnen welche einfallen.

Ich freue mich auch über Anfragen aller Art. Eine Kontaktadresse finden sie hier. 

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Und zum Schluss nochmal der Link zu dieser Präsentationsseite:

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